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Ein Ticket zum Mars, aber bitte one way!

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September 18th, 2017

Im Jahr 2032 wird eine Raumkapsel mit vier Menschen zum Mars geschickt. Rückkehr zur Erde nicht vorgesehen. In dem Projekt unter dem Namen Mars One geht es darum, den Mars dauerhaft zu besiedeln. Über 200.000 Menschen haben sich weltweit als Kandidaten beworben. Unter den letzten 100 ist auch der einzige Österreicher Günther Golob.

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Im Jahr 2011 hat der niederländische Unternehmer Bas Lansdorp die Organisation „Mars One“ gegründet. Das primäre Ziel ist die permanente Besiedelung des Mars. Das Konzept sieht vor, dass – nach heutigem Stand – im Jahr 2032 eine Gruppe von vier Personen, den noch zuvor zu errichtenden Container-Komplex bezieht.

Die größten Herausforderungen der Mission sind einerseits die Lösung der technischen Aufgabenstellungen, aber auch das Finden von Sponsoren zur Deckung der Kosten. Obwohl das ganze Projekt von vielen Seiten sehr kritisch beurteilt wird, gibt man sich bei Mars One optimistisch, den Zeitplan trotz einiger Verzögerungen in der Vergangenheit nun einhalten zu können.

Als Crew werden 24 Astronauten benötigt, wovon in der ersten Tranche vier auch tatsächlich 2032 mit der Besiedelung des Mars beginnen sollen. Laut Mars One sollen dann im Abstand von jeweils 26 Monaten die restlichen Astronauten folgen.

 

Günther Golob auf dem Weg zum Mars

Die Rekrutierung der Mars Astronauten erfolgt in 4 Runden. Während sich für Runde 1 ca. 202.000 Menschen weltweit beworben haben, sind es jetzt, vor dem Beginn der Runde 3 nur mehr 100 Kandidaten. Unter ihnen ist auch ein Österreicher.

Der freie Journalist und Fotograf Alexander Fortunat hat den sympathischen Wahl-Steirer Ende August 2017 in Wien zum Interview getroffen. Günther Golob wurde 1975 in Wolfsberg, Kärnten, geboren und hatte vor seiner Bewerbung für Mars One viele unterschiedliche Berufe: er war unter anderem Bürokaufmann, Kommunikationstechniker, Musiker und Chef einer Musikagentur. Zuletzt war er Herausgeber des Musikmagazins „X-Rockz“.

Nach bestandener Runde 1 musste Günther mehrere medizinische Attests und Befunde einsenden, bevor er in Runde 2 den Chief Medical Director von Mars One, Dr. Norbert Kraft, in Wien zum Interview getroffen hat. Darauf folgte eine Einladung nach Kalifornien. „Der Einladung bin ich gefolgt, aber gleich ausgiebig. Das heißt, ich war 6 Wochen in den USA und habe in den 6 Wochen jegliche NASA Stationen besucht. Auf Eigeninitiative, um mit Wissenschaftlern, mit Astronauten, mit Technikern zu quatschen und mir ganz genau anzuschauen, ob der technische Fortschritt und die Möglichkeiten wirklich gegeben sind.“

Wieder zurück in der Heimat begann die bisher härteste Phase für den Österreicher: 7 Monate lang jeden Tag lernen und Vorbereitung für die theoretische Prüfung. In die 8 – 10 Stunden täglichen Lerneinheiten fiel auch das Lernen der englischen Sprache inklusive technischer Fachbegriffe.

Die theoretische Prüfung hat Günther im Februar 2015 bestanden und ist seither unter den letzten 100 Kandidaten für die Reise zum Mars.

 

Foto: Marcel Aberle

Was jetzt zählt: körperlich und geistig fit bleiben!

Derzeit befindet sich Günther in einer Art standby-Modus: „jetzt könnte das Handy läuten und ich bekomme die Information: in 6 Monaten geht es in die letzte Auswahl, in das letzte Auswahlverfahren.“

In der Zwischenzeit gilt es, die mentalen und körperlichen Fähigkeiten ständig zu trainieren. So ist Günther gerade zu Gast in Wien bei dem österreichischen Start-up Unternehmen SimyLife. Dieses entwickelt Spiele, die anhand von Konzentration und Stress die Leistungsfähigkeit steigern. Der SimyBall® ist ein mobiler Spielecontroller und Biofeedbackgerät in Ballform. Günther wird den SimyBall® in den kommenden Wochen testen, um seinen Körper besser wahrzunehmen. Mit Hilfe des Geräts soll er erkennen, wie viel Stress sein Körper verträgt und wann die Grenzen erreicht werden.

Günther Golob (links) beim mentalen Training mit SimyBall mit SimyLife Geschäftsführer Andreas Chabicovsky

Neben der mentalen Fitness ist auch körperliche Fitness sehr wichtig: „Ich trainiere sehr viel – wie gesagt, Radfahren, Schwimmen usw. Ich gehe auch gerne auf den Berg – ich habe gerade letztens eine Hochgebirgswanderung hinter mir“ erzählt uns Günter.

Bis zum Anruf von Mars One absolviert der Mars-Mann unzählige Medientermine. „Aber mein Geld verdiene ich jetzt natürlich mit Auftritten. Change Management oder in Schulen, Volksschulen, Hauptschulen, Gymnasien, Jugendzentren, usw.“. Den Rest der verbleibenden Zeit verbringt er mit seinen drei Kindern.

 

Von 100 auf 24

Demnächst beginnen die alles entscheidenden Tests. In Runde 3 müssen die 100 verbliebenen Kandidaten in In- und Outdoor Tests ihre Fähigkeiten in  Problemlösung, Teamzusammenarbeit, Kommunikation oder Kreativität unter Beweis stellen. Danach folgt die 4. und letzte Runde. „Und das ist jetzt meine große mentale Geschichte. Da werden die 40 Teilnehmer 9 Tage in die Isolierkammer gesperrt. Da wird das Zeitgefühl weggenommen, das Tag und Nacht – wie auch immer. Da werden Aufgaben zu erfüllen sein. Unter anderem in mangelnder Hygiene, wenig Sauerstoff. Der Sauerstoff wird abgezogen bei gewissen Punkten, wo die Psychologen ganz genau auf deine Reaktion schauen. Und das ist wirklich definitiv der schwierigste Part von der nächsten Auswahl-Geschichte“.

Wer glaubt, dass nun alles erledigt ist, hat sich getäuscht. Die 24 Kandidaten bekommen eine Anstellung bei Mars One und es beginnt die 8-jährige Ausbildung zum Astronauten. Im Jahr 2032 werden dann die ersten vier von ihnen mit der Besiedelung des Mars beginnen. Vielleicht ist einer davon ein Österreicher – wir halten Günther Golob die Daumen.

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