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Diversität das Problem mit der Hierarchie

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Jun 26th, 2017
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Norbert Pauser ist 1971 geboren und beschäftigt sich seit dem Jahr 2002 intensiv mit dem Thema Diversität/Vielfalt. Er ist Bildungswissenschafter, Autor und Journalist, Trainer, Vortragender, Dolmetscher und Übersetzer und Inhaber einer Unternehmensberatungsfirma mit Schwerpunkt Diversity & Inclusion. Alexander Fortunat hat ihn im Mai 2017 zum Interview getroffen.

 

Diversität – eine Begriffsdefinition

Der Begriff „Diversity“ (synonym „Diversität“, „Heterogenität“, „Vielfalt“) beschreibt grundsätzlich Unterschiedlichkeit oder Vielfältigkeit. Die beiden Amerikanerinnen Lee Gardenswartz und Anita Rowe haben im Jahr 1995 das „For Layers of Diversity“-Modell entwickelt.

 Quelle: Zuercher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

 

In dem weltweit anerkannten Modell wird Diversität in vier zwiebelschalenartigen Ebenen beschrieben: 1. Persönlichkeit, 2. Interne Dimensionen, 3. Externe Dimensionen und 4. Organisationale Dimensionen. Die Internen Dimensionen werden auch als Kerndimensionen der Diversität bezeichnet: Geschlecht, Alter, Rasse/Hautfarbe, Ethnizität/Nationalität, sexuelle Orientierung, Behinderungen und Beeinträchtigungen. Diese Dimensionen sind in Österreich gesetzlich vor Diskriminierung geschützt.

Der Umgang mit Vielfalt, das sog. Diversitätsmanagement ist längst zu einem ökonomischen Faktor und einer Notwendigkeit in unserer Gesellschaft geworden. Gründe für Diversitätsmanagement können sein:

  • Die fortschreitende Internationalisierung, die wirtschaftliche und kulturelle Globalisierung, demografische Veränderungen und sich ändernde Lebensbedingungen verlangen nach einem konstruktiven Umgang mit Diversität.
  • Politische Prozesse werden in EU-Richtlinien (Vertrag von Amsterdam) und Antidiskriminierungsgesetzen (Gleichbehandlungsgesetz, GlBG) umgesetzt und erfordern die Implementierung von Diversitätsmanagement.
  • Multinational tätige Konzerne ordnen häufig die Implementierung von Diversitätsmanagement in ihren europäischen Unternehmen an.
Quelle: Bundesministerium für Bildung http://erwachsenenbildung.or.at

 

Interview mit dem Diversity Experten

Es ist Punkt 09:30 Uhr als Norbert Pauser das vereinbarte Cafe zum Interview betritt. Die nachfolgenden Fragen werden präzise beantwortet und sehr bald bemerkt man, dass man es mit einem sehr peniblen, ja fast pedantischen Menschen zu tun hat. Der bekennende Homosexuelle kommt sehr schnell zum Punkt: „Medien sind die TransporteurInnen der Vielfalt in diesem 21. Jahrhundert. Jeden Tag, wenn wir die Zeitung aufschlagen und den Fernseher einschalten, kriegen wir ununterbrochen Lektionen in Sachen Diversität. Und diese Bilder, die kolportiert werden, diese Sprache, die kolportiert wird, beruht auf dieser gesellschaftlichen Übereinkunft, dass alle Diversitäten in unserer Gesellschaft hierarchisiert sind. Das heisst, es gibt keine gleich-wertigen Differenzen, sondern es gibt nur hierarchische Differenzen.“

Die Vielfalt wird in unserer Gesellschaft gewünscht und gefördert. Durch die Sichtbarmachung der Vielfalt werden Unterschiede transparent. Dies führt einerseits zur sogenannten Diversity Inclusion. Dabei geht es um eine aufgeschlossene Grundhaltung zur Vielfalt sowie die dazugehörige Kommunikation und Zusammenarbeit. Durch die Sichtbarmachung der Unterschiede kommt es allerdings auch zur Ausgrenzung und Ausschließung einzelnter Personen oder Gruppen von gesellschatlicher Teilhabe.

„Letzten Endes diskutieren die Medien nicht über Inklusion oder über Inklusionspflichten, nämlich über wechselseitige Inklusionspflichten, weil, wenn wir eine Differenz haben, dann gibt es die eine Seite und die andere Seite, und beide Seiten haben ihre Inklusionspflichten zu erledigen. Darüber diskutieren wir nicht, wir diskutieren nur über Exklusionsprivilegien.“, sagt Pauser.

Der Diversity-Inclusion Trainer geht sogar noch weiter und spricht im Kontext der aktuellen Diskurse wie Migration und Integration, Kopftuchdebatte oder Homo-Ehe von einem „Super-GAU der Vielfalt“: „Nämlich: es wird so etwas wie Integration propagiert, aber in Wirklichkeit wird eine untergeordnete Position versucht, mitzuverkaufen.“

Auf die Frage, ob gesetzlich verankerte Quoten, wie zum Beispiel eine Frauenquote am Arbeitsplatz, die Lösung des Problem sein können, meint Pauser: „Ich habe gelernt, dass die Quote ein Mittel ist, um Wirklichkeit zu verändern. Mein persönlicher Geschmack sagt, es wäre mir lieber, wenn die Vernunft siegen würde.“ Auch gebe es aus seiner Beratungstätigkeit sehr viele positive Beispiele, wo Diversität-Inklusion in vielen Bereichen umgesetzt werden konnte: in der ÖBB, der Wirtschaftskammer, dem Justizministerium oder bei der Caritas.

Bei seinen Beratungen geht er nach dem „Top-down“-Ansatz vor: Die Sensibilisierung für Diversität beginnt beim Management. Die Implementierung von Diversität-Inklusion ist aber ein Kreislauf, an dem Mitarbeiter aus allen Hierarchie-Ebenen daran teilnehmen.

Der Diversity Management Trainer macht auch keinen Hehl daraus, dass er mit seiner Arbeit seit ca. 15 Jahren gutes Geld verdient. Dies jedoch zurecht, denn seine Arbeit bezieht sich auf die Diversitäts-Inklusion, quasi die gute Seite der Diversität (im Gegensatz zu Diversity Exklusion).

Gegen Ende des Interviews hat Norbert Pauser noch eine wichtige Botschaft: „Es gab in der Geschichte noch nie eine Periode, wo egalitäre Differenzen gedacht werden konnten. Es war bei allen Errungenschaften implizit immer diese hierarchische Ordnung drinnen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit sind wir an einem Punkt angelangt, wo wir Unterschiede nicht mehr hierarchisch Denken müssen, sondern Unterschiede als gleichwertig erachten können.“

Dieses Interview wurde veröffentlicht in der Spezialausgabe des [Statement] zum Thema Diversity (download pdf), herausgegeben vom Oesterreichischen Journalisten Club (www.oejc.at)
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